Erziehung von Kleinkindern – loben und Nerven behalten

Posted By on 19. Januar 2016

Erziehung von Kindern

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In diesem Artikel soll es um die Erziehung von Kleinkindern gehen, der Erziehung von Säuglingen und Babys ist ein separater Beitrag reserviert!  Wann beginnt die Erziehung von Kleinkindern, welche Methoden sind empfehlenswert und welche Rolle spielen heute noch Strafen?
Wer Kleinkinder um sich hat, kommt sich manchmal wie der Beobachter einer Langzeitstudie vor. Kinder lernen aus Erfahrung. Das heißt, sie üben sich in endlosen und wiederholenden Versuchsreihen und finden es total spannend, dass sie mit einem bestimmten Verhalten immer die gleichen Reaktionen auslösen können. Erst wenn sich diese Erfahrung im Hirn manifestiert hat, kommt der nächste Schritt der Entwicklung: Das Kind hat gelernt, dass auf bestimmte Aktionen immer die gleichen Reaktionen folgen. Ist diese Reaktion angenehm, zieht das Kind den Schluss, dass diese Verhaltensweise gut war. Ist die Reaktion weniger angenehm, wird das Kind künftig die eigene Aktion anpassen und als „unerwünscht“ erkennen. Das klingt alles etwas kompliziert, ist es aber gar nicht.  Noch mal einfacher ausgedrückt:
Da Kinder lieber gelobt als ausgeschimpft werden, wird sich ganz automatisch im Lauf der Zeit ein Verhalten entwickeln, das immer weniger Anlass zum Schimpfen gibt.

Das Geheimnis einer gelungenen Kindererziehung: Konsequenz

Kindererziehung ist sehr komplex und letztendlich an gewisse Regeln gebunden. Ich habe schon gehört, dass manche Eltern sagen, dass kleine Kinder noch keine Erziehung brauchen, weil der Verstand noch nicht da ist. Ich denke, dass dies genau die falsche Einstellung ist, denn, wie oben erwähnt, erlernt das Kind bestimmte Verhaltensweisen aufgrund von Reaktionen auf sein Verhalten, und das nicht erst, wenn es genug „Verstand“ besitzt. Bekommt das Kleinkind zum Beispiel  immer seinen Willen, dann kann es nicht lernen, sich an Regeln zu halten.
Deshalb ist es bei der Kindererziehung absolut notwendig, dem Kind schon frühzeitig Grenzen durch Regeln aufzuzeigen und diese Regeln auch konsequent einzuhalten.
In diesem Zusammenhang möchte ich Euch ein simples Beispiel nennen, dass es beispielsweise vor dem Essen NIEMALS etwas Süßes gibt, auch nicht, wenn man Oma fragt. Konsequenz zu erfahren ist für das Kind keine Strafe, sondern es ist etwas Gutes. Durch Konsequenz in der Erziehung kann das Kind nämlich schneller lernen, was gut und was schlecht ist – bzw. welche Verhaltensweisen gewünscht und unerwünscht sind.
Konsequentes Verhalten von allen Beteiligten der Kindererziehung, schafft dem Kind einen Rahmen, innerhalb dessen Grenzen es sich sicher entwickeln kann. Genau das brauchen Kinder nämlich: Das Gefühl von Sicherheit und einen Rahmen, der Grenzen des Machbaren aufzeigt – und zwar unerschütterlich. Nur so kann ein Kind die Regeln des gesellschaftlichen Zusammenlebens lernen.

Konsequenz und Bestrafung sind nicht dasselbe

Der Begriff Konsequenz wird im Sprachgebrauch allzu schnell mit Strafe und Strenge in Verbindung gebracht. Im Zusammenhang mit moderner Erziehung bedeutet Konsequenz aber eher Verlässlichkeit der Reaktionen von Erziehungsberechtigten.
Im Klartext heißt das: Es gibt Regeln und Verbote. Hält das Kind diese Regeln ein und beachtet es die Verbote, zieht das ein dickes Lob nach sich. Werden die Regeln gebrochen und Verbote nicht eingehalten, müsste konsequenterweise eine Strafe erfolgen.
Fällt diese Strafe zu hart aus, macht sich beim Kind eine Trotzhaltung breit, denn Kinder empfinden Strafen – genauso wie Erwachsene –  als belastend, teilweise entwürdigend, beleidigend und keineswegs als Motivation, das bestrafte Verhalten aus Einsicht künftig zu unterlassen.
Aus diesem Grund sollten Strafen möglichst moderat gehalten werden und vor allem ohne körperliche Züchtigungen ablaufen. Ein Kind, das bei „richtigem“ Verhalten gelobt wird, empfindet schon einen strengen Blick und ein Ausbleiben dieser Anerkennung als störend und unangenehm.

Kurzer Rückblick zur Phase der „antiautoritären Erziehung“

Die antiautoritäre Erziehung, welche von „modernen Eltern“ als das „non-plus-ultra“ verteidigt wurde und manchmal noch heute wird, zeigt den Heranwachsenden keine Grenzen auf. In den 80ern und 90ern war man oft der Überzeugung, dass sich ein Kind nur dann gut entwickeln kann, wenn es die größtmögliche Freiheit erfährt. Strafen waren deshalb oftmals tabu.
Das war das genaue Gegenteil der bis dahin propagierten autoritären Erziehung, wo man mit Strafen nicht geizte und der Überzeugung war, dass Kinder nur so erzogen werden können, wenn unerwünschtes Verhalten eine angemessene Bestrafung nach sich zog.
Mittlerweile hat sich eine Mischform der beiden Methoden durchgesetzt, wobei eine Bestrafung als Erziehungselement eher in den Hintergrund getreten ist, zugunsten der motivierenden Wirkung von Lob.

Ab welchem Alter sind Verbote und Regeln sinnvoll?

Nach Erkenntnissen von Neurobiologen können sich Kinder unter zwei Jahren Verbote nicht wirklich merken. Ein: „du sollst den Brei nicht auf dem Tisch verteilen“ wird im Kurzzeitgedächtnis abgelegt und dort wirkt es ca. drei bis vier Minuten nach. Bis der nächste Brei so herrlich vom Löffel tropft, ist das Verbot längst vergessen. Das ändert sich erst dann, wenn gleiches Verhalten (Brei wird auf dem Tisch verteilt) immer gleiche Reaktionen nach sich zieht (nein, du darfst den Brei nicht auf dem Tisch verteilen).
Nun sind wir wieder bei den anfangs erwähnten Versuchsreihen und bei der so wichtigen Konsequenz. Erst, wenn Kinder verstehen können, warum ein „Nein“ ausgesprochen wurde und erst, wenn klar ist, dass es in einer solchen Situation immer ausgesprochen wird, können Kinder dahinter ein Verbot bzw. eine Regel erkennen und auch dauerhaft abspeichern. Das bedeutet aber  keinesfalls, dass erst ab diesem Zeitpunkt Regeln aufgestellt werden sollten, um nun mit der Erziehung zu beginnen!

Loben und Lieben – die zwei wichtigsten Erziehungsmethoden

Klar, es ist nicht immer einfach, die Ruhe zu behalten, völlig relaxed zum x-ten Mal den verschmierten Brei wegzuwischen ohne dabei die Nerven zu verlieren. Kindererziehung bedeutet deshalb auch, sich selbst im Griff zu haben. Die Mühe lohnt sich, denn irgendwann wird der Brei dort landen, wo er hingehört- nämlich in den Mund- und der Tisch bleibt sauber. Dann ist aber ein dickes Lob angesagt!!!!

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